Thematische Übersicht
Was heißt „LIP“?
Die Bezeichnung „LIP“ bei Zigaretten kommt aus dem englischen Sprachraum und die Abkürzungen stehen für „Lower Ignition Propensity“ (LIP), wobei „Ignition“ übersetzt Entflammung/Zündung und „Propensity“ Neigung/Bereitschaft bedeutet. Im Deutschen spricht man von „Zigaretten mit vermindertem Zündpotential“.
In der Presse liest man oft fälschlicherweise über „Brandsichere“ oder „Feuersichere“ Zigaretten. Es gibt aber keine Zigarette die „Feuersicher“ oder „Brandsicher“ ist, denn jeder brennende Gegenstand ist eine potentielle Brandquelle. Die durch brennende Zigaretten verursachten Brände werden in erster Linie durch den sorglosen Umgang oder die nachlässige Entsorgung einer brennenden Zigarette verursacht.
Durch die Einführung von LIP-Zigaretten erhofft man sich eine Reduktion von Bränden, bei denen eine achtlos abgelegte oder unbeaufsichtigt glimmende Zigarette der auslösende Faktor sein könnte.
Was sind LIP-Zigaretten?
Eine herkömmliche Zigarette wird, wenn man sie glimmend ablegt, in der Regel bis zu ihrem Ende abbrennen. Als schwache Hitzequelle kann sie das Material auf dem sie liegt, entzünden und damit einen Brand auslösen.
Durch Veränderungen des Zigarettenpapiers kann bei einem LIP-Produkt das Zündpotential vermindert werden.
Die von Zigarettenherstellern am häufigsten verwendete Technologie ist die Verstärkung des Zigarettenpapiers an 2-3 Stellen durch ringförmige Schwellen (sogenannte „Bänder“ oder „speed bumps“). Erreicht die Glut so ein Band, wird hier die Sauerstoffzufuhr verringert und der Verbrennungsprozeß reduziert. Die Zigarette kann dann von selbst verlöschen.
Eine „Zigarette mit vermindertem Zündpotential“ ist also eine Zigarette, die ein höheres Potential hat von sich aus zu verlöschen, wenn sie auf einem entzündlichen Material zu liegen kommen sollte.
Wann kommt LIP auf den europäischen Markt?
Nach dem Beschluss der Europäischen Kommission vom 25. März 2008 beauftragte die EU-Kommission im Juli 2008 das Europäische Normungsinstitut CEN (Comité Européen de Normalisation) mit der Entwicklung eines europäischen Standards. Dieser Standard legt das Prüfverfahren fest, wie Zigaretten künftig auf ihre Brandsicherheit getestet werden sollen. Der Standard soll sich an dem bereits existierenden Standard der American Society of Testing and Materials (ASTM) orientieren und in zwei Jahren zur Verfügung stehen. Aufgrund der Kooperationsvereinbarung zwischen CEN und dem Internationalen Normungsinstitut ISO („Wiener Abkommen“) hat CEN die Entwicklungsarbeit an ISO weitergeleitet.
Die Verbraucherschutz-Kommissarin Meglena Kuneva äußerte sich in einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ im August 2008, dass „auf dem europäischen Markt in spätestens drei Jahren, also 2011, nur noch „Feuersichere Zigaretten“ verkauft werden sollen“.
Wie wird die Verlöschungseigenschaft einer Zigarette bestimmt?
LIP-Zigaretten sollen neuen Brandsicherheitsanforderungen genügen. Derzeit wird an der Entwicklung eines internationalen Standards gearbeitet, der das Prüfverfahren sowie einen Standardwert für das Prüfergebnis festlegt, dem alle LIP/RIP-Zigaretten in Europa entsprechen müssen.
Unter der Schirmherrschaft der American Society of Testing and Materials (ASTM) wurde 2002 eine Standardtestmethode veröffentlicht, die das Zündpotential bzw. die Verlöschungseigenschaft von Zigaretten misst: die ASTM E 2187 „Standard method for measuring the ignition strength of cigarettes“. Dieser US-amerikanische Standard wurde bisher in allen Staaten, die LIP/RIP-Zigaretten eingeführt haben, aufgegriffen und adaptiert. Die ASTM E2187 wird auch von der Europäischen Kommission als eine geeignete Basis für die Entwicklung eines europäischen Standards angesehen.
Bei diesem Test wird jeweils eine Zigarette entzündet und auf einen Stapel Papier gelegt. Herkömmliche Zigaretten brennen in der Regel vollständig ab, während LIP/RIP-Zigaretten vorher verlöschen sollen.
Den Sicherheitsstandard erfüllen LIP/RIP-Zigaretten laut der Entscheidung der Europäischen Kommission, wenn in dem Prüfverfahren mindestens 75% der Zigaretten einer Versuchsgruppe nicht vollständig abbrennen, sondern vorher verlöschen. Bisher ist jedoch unklar, ob durch die Einführung von LIP/RIP Zigaretten eine bedeutende Reduktion der durch Zigaretten verursachten Brände erreicht werden kann.
Seit wann und wo gibt es LIP-Zigaretten?
- Schon 1984 wurde in den USA experimentell an Lower Ignition Propensity (LIP) Zigaretten in Zusammenarbeit des National Institute of Standards & Technology (NIST) und der Tabakindustrie gearbeitet.
- Im Juli 2000 führte Philip Morris mit seiner Marke „Merit“ die erste „RIP“-Zigarette in den USA ein.
- 2002 wurde unter der Schirmherrschaft der American Society of Testing and Materials (ASTM) eine Standardtestmethode veröffentlicht: die ASTM E 2187 „Standard method for measuring the ignition strength of cigarettes“.
- Nach mehreren Anläufen in amerikanischen Bundesstaaten wurde erstmals in New York im Jahr 2000 ein Gesetz beschlossen, nach dem seit dem 28. Juni 2004 nur noch Zigaretten in New York verkauft werden dürfen, die den Brandschutzstandard der adaptierten ASTM erfüllen.
- Seitdem sind in 43 Bundesstaaten der USA ähnliche Rechtsvorschriften umgesetzt und in weiteren 7 Bundesstaaten beschlossen worden, die bis Januar 2011 in Kraft treten werden (www.firesafecigarettes.org; Stand: April 2010).
- Auch in Kanada dürfen seit Oktober 2005 nur noch Zigaretten verkauft werden, die die Vorgaben der ASTM-Testmethode (ASTM E2187-04) erfüllen.
- Australien ist diesem Beispiel im März 2010 gefolgt und hat hierfür eine eigene Standardtestmethode, die „Australian Standard Determination of the extinction propensity of cigarettes“ (AS 4830—2007 basierend auf der ASTM E2187-04) entwickelt, die im März 2007 veröffentlicht wurde.
