Schmuggel
Nicht in Deutschland versteuerte Zigaretten
2024 wurden 12,64 Mrd. Zigaretten in Deutschland geraucht, die nicht hier versteuert waren. Das geht aus der aktuellen KPMG-Studie hervor, die jährlich die Mengen des legalen und illegalen Zigarettenkonsums in 38 Ländern in Europa schätzt Die Analyse des deutschen Marktes von KPMG basiert auch auf den Daten der Ipsos Entsorgungsstudie, die den Anteil der Packungen nicht in Deutschland versteuerten Zigaretten auf 19,8% am Gesamtkonsum aller in Deutschland gerauchten Zigaretten geschätzt hatte. Die Ipsos Entsorgungsstudie stellt den Kern für den KPMG Report sowohl geographisch als auch in Hinblick auf die Stichprobengröße dar Die Schätzungen aus der Entsorgungsstudie basieren auf 170.110 gesammelten Zigarettenschachteln für das Jahr 2024. Deutschland liegt zentral in Europa und grenzt an Länder, wie Luxemburg, Polen und Tschechien mit deutlich niedriger Preisstruktur von Zigaretten So stammen aus diesen drei genannten Ländern 8,01 Mrd. Zigaretten Das sind 63,4% am Gesamtvolumen der nicht in Deutschland versteuerten Zigaretten.
Legal Einkäufe im Ausland
Von den 12,64 Mrd. nicht in Deutschland versteuerten Zigaretten entfielen 2024 insgesamt 10,99 Mrd. auf Zigaretten, die in anderen EU Mitgliedstaaten oder in bevorzugten Urlaubszielen der Deutschen versteuert oder als Duty-Free-Ware ganz unversteuert waren. Der legale Konsum ist von 2023 auf 2024 um 10% angestiegen.
Laut KPMG-Studie entfielen:
• 5,5 Mrd. Zigaretten auf legale Einkäufe in Polen
• 1,55 Mrd. auf Tschechien
• 1,02 Mrd. auf Duty-Free
• 750 Mio. auf Luxemburg
Illegale Einkäufe und Fälschungen
Die KPMG-Studie geht davon aus, dass von den 12,64 Mrd. nicht in Deutschland versteuerten Zigaretten abzüglich der legalen Grenzeinkäufe 1,65 Mrd. geschmuggelt oder gefälscht waren. Diese Menge ist seit 2021 relativ stabil und liegt leicht über dem Wert von 2023 (1,59 Mrd.). Am Gesamtkonsum (75,93 Mrd. = legale Zigaretten im deutschen Steuergebiet/legale Auslandseinkäufe/illegale Zigaretten) beträgt der Anteil der illegale Zigaretten nur 2,2 %.
Ein Teil der geschmuggelten Zigaretten stammte aus Ost- oder Südosteuropa:
• aus Tschechien kamen 190 Mio. illegale Zigaretten
• aus Bulgarien 170 Mio.
• und dem Kosovo 100 Mio.
Besonders auffällig ist der Anstieg gefälschter Zigaretten aus illegalen Produktionsstätten auf 440 Millionen Stück – ein Plus von 19 % gegenüber 2023 (370 Mio.)
In den vergangenen Jahren hat sich die illegale Herstellung von Zigaretten in der EU stark ausgeweitet. Europäische Ermittlungsbehörden wie OLAF, Europol und nationale Zollbehörden berichten von einer wachsenden Zahl professionell betriebener Untergrundfabriken, die zunehmend innerhalb der EU entstehen – häufig gut versteckt in Lagerhallen oder Industriegebieten. Allein im Jahr 2023 wurden über 113 illegale Produktionsstätten in 22 europäischen Ländern entdeckt und zerschlagen. 2024 waren es nach KPMG-Angaben 95 illegale Fabriken.
Der Krieg in der Ukraine hat traditionelle Schmuggelrouten verändert. Kriminelle Netzwerke reagierten darauf mit der Verlagerung von Produktionskapazitäten in EU-Staaten, um Risiken zu minimieren und EU-Grenzkontrollen zu umgehen. Die Produktionskapazitäten werden zunehmend in die Nähe westeuropäischer Märkte mit hohen Tabaksteuern und Preisen verlagert wie etwa nach Frankreich.
Steuerschaden durch illegale Zigaretten
Die 1,65 Mrd. illegalen Zigaretten in Deutschland entsprechen -unter Annahme, dass alle diese Produkte in Deutschland tatsächlich legal gekauft worden wären- einem geschätzten Steuerschaden von 401 Millionen Euro in 2024 (Tabaksteuer + Mehrwertsteuer).
Zigarettenschmuggel ist kein Kavaliersdelikt
Zigarettenschmuggel ist weit mehr als ein geringfügiges Fehlverhalten. Er stellt eine zentrale Finanzierungsquelle der organisierten Kriminalität dar und bietet hohe Profite bei relativ geringem Risiko, entdeckt zu werden.
Bewusstsein von Konsumenten schärfen
Ein wesentlicher Faktor, der den illegalen Zigarettenmarkt begünstigt, ist die soziale Akzeptanz geschmuggelter Produkte. Je mehr Menschen solche Zigaretten konsumieren, desto stärker verfestigt sich in der Bevölkerung der Eindruck, ihr Erwerb sei eine harmlose oder folgenlose Alternative zum regulären Kauf. Dabei wird jedoch häufig übersehen, dass die Strukturen des illegalen Zigarettenhandels eng mit schweren Formen der organisierten Kriminalität verknüpft sind – darunter Menschenhandel, Drogenhandel und Geldwäsche. Wer illegale Zigaretten kauft, unterstützt damit ungewollt genau jene Netzwerke, die diese Verbrechen ermöglichen.
Maßnahmen zur Eindämmung des illegalen Konsums
Der Deutsche Zigarettenverband setzt sich für eine verhältnismäßige und harmonisierte Tabaksteuerpolitik in der EU ein. Unverhältnismäßig starke oder abrupt angehobene Mindestverbrauchsteuern wirken dagegen kontraproduktiv, da sie Preisunterschiede verschärfen und den illegalen Markt weiter stärken. Eine konsistente, planbare Steuerpolitik ist daher entscheidend, um illegale Beschaffungswege unattraktiv zu machen und dem Schwarzmarkt nachhaltig entgegenzuwirken.
Gleichzeitig sind internationale Kooperationen unverzichtbar. Das Anti‑Schmuggel‑Protokoll der WHO ist ein wichtiger Baustein, da es eine umfassende Überwachung der legalen Lieferkette (Track & Trace) vorsieht. Diese Instrumente stärken die Kontrolle über den regulären Markt – der Schwarzmarkt bleibt allerdings weitgehend unberührt, da er außerhalb legaler Strukturen operiert. Deshalb müssen solche Maßnahmen durch weitere Elemente ergänzt werden.
Zigarettenschmuggel konsequenter bekämpfen
Eine wirksame Bekämpfung des illegalen Zigarettenhandels gelingt nur durch eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Gesetzgebern, Strafverfolgungsbehörden und Herstellern. Der Deutsche Zigarettenverband spricht sich daher für folgende Schritte aus:
- Stärkere Vernetzung der beteiligten Behörden: Intensivere Kooperation von Zoll, Europol, Grenz‑ und Bundespolizei, Landeskriminalämtern sowie lokalen Polizei- und Ordnungsbehörden, um kriminelle Strukturen frühzeitig zu erkennen und zu zerschlagen.
- Schnellerer und strukturierter Informationsaustausch zwischen Industrie und Behörden: Besonders bei Hinweisen zu Beschlagnahmungen, illegalen Produktionsstätten oder verdächtigen Lieferketten sowie Markenrechtsverletzungen sollten Daten zeitnah ausgetauscht werden, um Ermittlungserfolge zu beschleunigen.
- Konsequente Verfolgung illegaler Verkaufsaktivitäten im öffentlichen Raum: Intensivere Kontrollen und spürbare Sanktionen erschweren den offenen Vertrieb geschmuggelter Produkte und entziehen dem Schwarzmarkt wichtige Absatzkanäle.